Nicht schon wieder Lockdown!

Wer vor Monaten gesagt hätte, dass Toilettenpapier einmal knapp werden und man alleine bei der Kaufabsicht öffentlich an den Pranger gestellt würde, den hätten wir doch sicher für verrückt erklärt. Vor Corona besaß der Durchschnittsbürger davon auch nur handelsübliche Mengen. Um Rangeleien vorzubeugen, mussten zeitweise Sicherheitsposten vor den Läden aufgestellt werden.

 

Ich hoffe, mit der Verlängerung des Lockdowns wird sich nicht wieder um Toilettenpapier und Nudeln gekloppt. Noch ist mir das ein oder andere unerfreuliches Erlebnis präsent. ZUR ERINNERUNG: Als im vergangenen April meine letzte Rolle Toilettenpapier angebrochen war und ich für Nachschub sorgen musste, waren die Regale wie leergefegt. Mir schwante Schlimmes, zumal mein Nachbar erst jüngst von seinem Spießrutenlauf berichtete.

Mit dem ergatterten Klopapier unterm Arm sei er vom Supermarkt an den teils hämisch, teils neidisch dreiblickenden Passanten vorbei nach Hause geschlichen. Da ich wenig Lust verspürte, ein Schild mit der Aufschrift »Ich bunkere nicht – ich brauche es wirklich!« vor mir herzutragen oder mich einem Shitstorm auszusetzen, entschied ich mich für eine »verdeckte Aktion«. Bevor ich das Haus verließ, setzte ich deshalb außer dem obligatorischen Mundschutz noch eine Sonnenbrille und Mütze auf. Die verdächtige Ware gedachte ich in einem blickdichten Einkaufs-Trolley zu verstauen.

 

Im Drogeriemarkt steuerte ich direkt auf die Kassiererin zu. Offensichtlich war ich nicht die Erste, die sich nach dem Warenbestand erkundigte. »Da sind Sie viel zu spät dran« wurde ich mit hochgezogener Augenbraue aufgeklärt, mich am besten eine Stunde vor den Öffnungszeiten in die Warteschlange einzureihen. So etwas kenne ich nur bei Ticketverkäufen oder bei der Einführung eines neuen iPhones, aber doch nicht beim Kauf von Hygieneartikeln! Bevor ich nach weniger umständlichen Alternativen fragen konnte, mischte sich ein Kunde ein. »Endlich sehe ich mal einen dieser hirnamputierten Hamsterkäufer!« pöbelte der grau-melierte Endfünfziger, Typ Taschenphilosoph, lautstark in meine Richtung. Gerade als ich mich entschlossen hatte, ihn einfach zu ignorieren, hakte er mit spöttischem Unterton nach: »Sie haben doch bestimmt fließendes Wasser zuhause, oder?« Und ohne eine Antwort abzuwarten, fügte er hinzu: »Dann könnten Sie sich nach Ihrem Geschäft einfach mal den Hintern abwaschen!«

 

Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde bis diese Unverschämtheit in mein Bewusstsein drang und eine Welle der Entrüstung auslöste. Glücklicherweise widerstand ich meinem niederen Impuls, diesen »Klugscheißer« an seinem Zottelbart übers Kassenband zu zerren, um ihn coram publicum zusammenzufalten. Hier machte sich einmal mehr meine professionelle Ausbildung bezahlt. Statt wutentbrannt auf ihn loszustürmen, näherte ich mich ihm bis auf die gesetzlichen zwei Meter und erwiderte in gekonnter Lässigkeit: »Könnte ich schon.« Der Dramaturgie wegen folgte eine kleine Pause, bevor ich ihn samt der Schaulustigen wissen ließ: »Will ich aber nicht!« Dann drehte ich mich um und ging heim. Für heute hatte ich genug. Mir würde schon etwas einfallen, wie ich mit den 160 Blatt noch eine Weile auskam.

Da eine beidseitige Verwendung des Toilettenpapiers für mich aus hygienischen Gründen nicht infrage kam, kalkulierte ich noch einmal durch: Würde ich meine ballaststoffreiche Ernährung durch leere Kalorien ersetzen, die Flüssigkeitszufuhr bis auf die Dehydrierungsgrenze runterschrauben und den Rest abwechselnd wegatmen und ausschwitzen, käme ich mit der einen mir verbliebenen Rolle noch volle drei Wochen aus. Wozu sich also diesem Stress aussetzen?

Damals hoffte ich noch, dass bis dahin das Thema »Toilettenpapier« vom Tisch sei, oder besser noch – die Pandemie besiegt. Leider ist dieser Wunsch nicht in Erfüllung gegangen. Immerhin sind wir nun krisenerprobter. Das lässt mich hoffen, dass wir etwas gelassener mit wertvollen Ressourcen umgehen, sodass es gar nicht erst wieder zu Lieferengpässen kommt. Amen!

 

Autorin: Elke Antwerpen


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