Raus aus der Perfektionsfalle!

Im Grunde ist nichts falsch daran, etwas so gut wie möglich machen zu wollen. Hohe Ansprüche führen zu außergewöhnlichen Leistungen und Erfolg. Das Problem von Perfektionisten ist nur: Es stellt sich nie vollkommene Zufriedenheit ein. Sobald ein Ziel erreicht ist, wird die Messlatte gleich wieder höher gehängt. So entsteht eine Endlosschleife. Der permanente Druck führt schnell zur physischen wie psychischen Überforderung.

 

Machen Sie sich zwei Dinge bewusst: 1. Perfektion ist eine Illusion. Es gibt keine Vollkommenheit. Egal wie sehr Sie sich anstrengen, niemand und nichts ist perfekt. Es gibt nur das kräftezehrende Streben danach. 2. Perfektion weckt Aggression. Womöglich erreichen Sie mit Ihrer Detailversessenheit genau das Gegenteil von dem, was Sie eigentlich wollen: Statt Bewunderung ernten Sie bei Ihren Mitmenschen oft nur Kopfschütteln. Erlauben Sie sich deshalb »imperfekt« zu sein. Das führt nicht nur zur allgemeinen Entkrampfung, sondern macht Sie auch sympathischer.

Hier ein paar Tipps aus meiner Coaching-Praxis, die helfen, diese Endlosschleife zu durchbrechen.

 

1. Ziehen Sie Bilanz

 

Überlegen Sie, bei welchen beruflichen wie privaten Tätigkeiten sich ihr Streben nach Perfektion niederschlägt. Was tun Sie besonders intensiv? Was (ver-)meiden Sie? Fragen Sie sich, welchen Gewinn oder welchen Verlust Sie durch diesen Perfektionismus haben. Dazu nehmen Sie ein Blatt Papier und zeichnen zwei Spalten ein. Notieren Sie in der linken Spalte die Vorteile, in der rechten die negativen Auswirkungen, die sich durch Ihr Perfektionsstreben ergeben. Am Ende ziehen Sie Bilanz. Überwiegen die Vorteile oder Nachteile? Machen die Nachteile die Vorteile womöglich zunichte?

 

2. Suchen Sie nach Gründen

 

Ist es der Wunsch nach Anerkennung, der Sie antreibt, stets das Optimum herauszuholen? Oder haben Sie vielleicht irgendwann die Erfahrung gemacht, nur dann Zuwendung zu erhalten, wenn gewisse Standards erfüllt werden? Was würde Ihrer Meinung nach passieren, wenn Sie eine Aufgabe nicht perfekt erledigen? Haben Sie Angst vor Ablehnung, Schuldgefühle oder Scham, wenn Sie den Erwartungen anderer Menschen nicht gerecht werden? Seien Sie ehrlich zu sich selbst und gehen Sie Ihren wahren Motiven auf den Grund.

 

3. Weichen Sie negative Glaubenssätze auf

 

Überprüfen Sie, wie realistisch Ihre Befürchtungen sind. Unterziehen Sie auch Glaubenssätze wie »Nur wenn ich perfekt bin, bekomme ich Anerkennung und Liebe!« einem Realitätscheck. Sie werden überrascht sein, wie wenig Ihr innerer Film den Tatsachen entspricht.

Weichen Sie die negativen Glaubenssätze auf durch positive Formulierungen wie »Fehler sind eine Chance zu wachsen!« oder »Ich kann auch Erfolg haben, wenn ich nicht alles perfekt mache!« Schauen Sie sich in Ihrem näheren Umfeld nach Positiv-Beispielen um: Wer von meinen Kollegen, Freunden oder Bekannten geht locker mit Anforderungen um ohne deshalb ein Versager oder bloß Mittelmaß zu sein?

 

4. Üben Sie sich in Gelassenheit

 

Überlegen Sie, bei welchen Tätigkeiten es kaum negative Auswirkungen hätte, wenn Sie diese weniger sorgfältig, nicht sofort oder gar nicht erledigen würden? Anfangs wird sich Ihr schlechtes Gewissen melden, weil Sie es als falsch empfinden, nicht bis ins kleinste Detail alles ausgearbeitet zu haben. Keine Sorge: mit zunehmender Übung wird dieses ungute Gefühl verschwinden. Denken Sie auch daran, dass nicht jeder Ihr hohes Anspruchsniveau hat und schon mit weitaus weniger zufrieden ist als Sie denken.

Vielleicht starten Sie mit einem »Schluder-Tag«. Erlauben Sie sich ausnahmsweise mal nicht wie aus dem Ei gepellt aus dem Haus zu gehen, sondern ungeschminkt oder in Jogginghose. Sie werden nicht nur merken, wie erleichternd es wirkt, wenn man nicht permanent darauf achten muss, dass alles perfekt sitzt, sondern zudem die Erfahrung machen, dass sich niemand daran stört, sofern es überhaupt jemand mitbekommt.

 

5. Ersetzen Sie Perfektion durch Effizienz

 

Perfektion ist der natürliche Feind von Effizient. Wer für den »Feinschliff« die Nacht durcharbeitet, gehört mit seiner Detailversessenheit zu den großen Energieverschwendern. Dabei gilt es als erwiesen, dass man mit weitaus weniger Krafteinsatz ähnlich gute Ergebnisse erzielt. Gemäß dem Pareto-Prinzip werden nämlich 80 Prozent unserer Erfolge von nur 20 Prozent unserer Anstrengungen verursacht. Für die restlichen 20 Prozent verwenden wir aber 80 Prozent unserer Kraft. Das ist äußerst ineffizient und wird auch selten vom Umfeld gewürdigt. Setzen Sie deshalb Ihre Ressourcen lieber klug ein und gehen Sie ab sofort nach dem Motto vor: So gut wie nötig und so zügig wie möglich! Am besten setzen Sie sich ein Zeitlimit. Seien Sie lieber effizient und schaffen auf diese Weise mehrere Aufgaben in guter Qualität als eine einzige (nahezu) perfekte.

 

Autorin: Elke Antwerpen


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